Künstliche Intelligenz
Oft werden wir Freien Demokraten in Gespräche im Ort über Künstliche Intelligenz einbezogen. Es gibt eine große Unsicherheit zur Vertrauenswürdigkeit der Informationen, die Mithilfe der „KI“ erzeugt wurden. Dabei hilft uns der Hinweis im Suchergebnis „diese Information wurde mithilfe von KI erstellt“ nur sehr wenig.
Die Suche im Internet nach Informationen zur KI zeigt oft Beispiele, wo die KI-Anwendung zu unsinnigen Ergebnissen, zu absurden Verfälschungen oder schlichten „Fake-News“ führte. Andererseits wird über grandiose Erfolgsaussichten bei der KI-Anwendung in Forschung und Wissenschaft berichtet. Die Frage bei vielen – besonders älteren ‑ Mitbürgern bleibt: “Wo nützt mir KI und wo schadet sie mir womöglich?“.
Diese Frage stellt sich selbstverständlich nicht nur in unserer Gemeinde, sondern überall in entwickelten Gesellschaften. Deshalb haben die Liberalen Senioren NRW sich dieser Frage gewidmet und Chancen und Risiken der KI beleuchtet. Die Beispiele, an denen die Arbeitsweise der KI geschildert wird, stammen regelmäßig aus der Lebenswirklichkeit älterer Menschen. Betroffen von der künstlichen Intelligenz sind jedoch alle Generationen, deshalb ist das Wissen darüber für alle Menschen wichtig. Denn wir alle wollen uns ja unsere freie Selbstbestimmung erhalten und nicht von einer Maschine als übermächtigem Ratgeber abhängen.
Zu diesen Themen sind bereits Beiträge erschienen: KI und Robotik im Alltag, KI als Werkzeug für mehr Selbstbestimmung, Anleitung zur Foto-Erstellung, KI - Autonomes Fahren, KI - Lernen Gesundheit und KI – Betrug. Die Beiträge finden Sie auch zum Download unter https://www.lis-nrw.org/aktuelles/.
Bei den Liberalen Senioren engagieren sich übrigens auch einige Freie Demokraten aus Neunkirchen-Seelscheid.
Was wir alle selbst ausprobieren können, ist eine Suchanfrage über KI zu Ereignissen, die wir selbst sehr gut kennen. Das Ergebnis ist mindestens bei Ereignissen aus der „vordigitalen Zeit“, also vor 1990 durchweg desolat, denn aus der Zeit liegen oft nur sporadisch Daten vor, die die KI benutzen kann. Wenige Daten heißt dann in der Regel, sehr einseitige und nicht ausgewogene Berichte, das Ergebnis ist kaum verwertbar.
Zum Test einer KI-gestützten Recherche habe ich folgenden Ansatz gewählt:
Der Test sollte Aussagen zu einem Ereignis recherchieren, das ich selbst gut kenne; das Ereignis sollte aus der Zeit stammen, bevor Dokumente üblicherweise digital generiert und gespeichert wurden; über das Ereignis sollte in der lokalen, regionalen und teilweise auch in der überregionalen Presse in Wort und Bild berichtet worden sein und Berichte darüber sollten auch im regionalen Rundfunk und Fernsehen gesendet worden sein.
Ich wählte eine der jährlich stattfindenden Zusammenkünfte eines bundesweit verbreiteten Verbandes mit seinerzeit ca. 25.000 Mitgliedern, hier aus dem Jahr 1980, bei der ich im Verbandsvorstand an der Vorbereitung und Durchführung der Zusammenkunft in einer norddeutschen Kreisstadt mit ca. 65.000 Einwohnern beteiligt war. Die beschriebenen Bedingungen aus den Test-Ansatz waren erfüllt.
Bei Eingabe des Ereignisses und der Stadt ergab die KI-Recherche eine falsche Zeitangabe: es wurde das Jahr 1986 benannt. Zur Zusammenkunft gab es nur vage und z. T. eindeutig falsche Auskünfte. Bei meiner Suche im Netz nach der Ursache der falschen Zeitangabe stieß ich auf ein Foto eines Gegenstandes – das so erstellt worden war, dass es sich für einen Verkauf über ebay eignet ‑ der das Ereignis mit der falschen Jahreszahl 1986 abbildete, entweder ein Fake oder eine stümperhaft reparierte Beschädigung. Weiteres Bildmaterial war im Netz nicht zu finden, ebenso auch keine eingescannten Textdokumente. Die KI griff also auf unspezifische Information „aus zweiter Hand“ zurück und benutzte die Falschinformation aus dem Foto als gesicherte Information.
Bei Eingabe des Ereignisses und der Jahreszahl 1980 ergab die KI-Recherche die richtige Information über die Stadt und beschrieb das Ereignis selbst zutreffend. Inhaltliche Aussagen über die Verhandlungen der Zusammenkunft beschrieben nebensächliche Themen, aus denen falsche Folgerungen gezogen wurden. Nach meinem Eindruck wurde hier Propaganda von Gegnern des Verbandes aus einer späteren Zeit genutzt. Des Weiteren wurden Aussagen zu politischen Amtsträgern der Stadt aus späterer Zeit mit dem Ereignis verknüpft, so dass eine unzutreffende Gesamtaussage zum Ereignis entstand. Die eigentliche Bedeutung dieser Verbandszusammenkunft für den Verband und seine weitere Entwicklung fand keine Erwähnung.
Mein Fazit:
- Ich kann nicht beurteilen, ob mein Test ein unschönes Einzelergebnis gezeigt hat, oder repräsentativ für Ereignisse aus der Vergangenheit steht. Ich urteile folgend anhand meiner Test-Ergebnisse.
- Recherchen über Ereignisse aus „vordigitaler“ Zeit bringen nur zufällig verwertbare Ergebnisse, weil einfach kaum Daten oder nur Daten aus sekundärer Quelle zur Verfügung stehen.
- Fotos weist die KI offensichtlich eine höhere Aussagekraft zu als Textdokumenten.
- Eine Recherche über Wikipedia bringt möglicherweise keine befriedigenden Ergebnisse auf die Schnelle, bietet jedoch über die Quellenverweise eine gute Möglichkeit, nähere Informationen zu erlangen. Zumindest werden hier kaum Falschinformationen mit „Wahrheitsanschein“ ausgegeben.
- Verlässliche Informationen lassen sich wahrscheinlich nur über das Auswerten analoger Datenträger (Archiv-Recherche) erlangen, was jedoch einen vielfach erhöhten Aufwand bedeutet.
Sofern eine solch unsichere KI-Recherche benutzt und weiterverbreitet und damit im Netz verfügbar wird, wird der Fake mit der Zeit im Netz potenziert und er verdrängt voraussichtlich immer mehr die wenigen sicheren Daten, Fakten und Erkenntnisse.
Ohne Angabe der Recherche-Methode (traditionell oder mithilfe von KI) sind Rechercheergebnisse nur mit äußerster Vorsicht zu genießen.
Die nachträgliche Manipulation geschichtlicher Ereignisse erscheint nun möglich durch die gezielte Verbreitung von gefakten Bildern, sofern nicht Schutzmechanismen in die KI implementiert werden. George Orwells düstere Vision aus dem Buch „1984“ könnte sich dann als realistisch erweisen – eine gruselige Vorstellung.
Anders als die Bezeichnung KI suggeriert, ist Intelligenz hier nicht beteiligt, es wird nur eine ungemein schnelle Recherche nach im Netz verfügbaren Informationen durchgeführt und textlich oder bildlich zusammengeführt. Dahinter steht Anspruch der Schwarmintelligenz oder die Mehrheit wird in Zusammenarbeit immer den richtigen Weg finden.
Die Schwarmintelligenz der Schmeißfliegen mit ihrer Vorliebe für Kuhfladen und die der Lemminge lassen mich stark an der allgemeinen Richtigkeit dieser These zweifeln.